Masern in Wort und Bild

Von Oberlehrer Hans Loser

 
  Photography-Josef Dornig 1931

 

Die Ortschaft Masern liegt am westlichen Rande des Gottscheerländchens,hart an der Sprachgrenze.Die Entfernung vom nächtsgelegenenslowenischen Dorfe Rakitnica beträgt nur 4 km.Masern und Masereben bilden mit 64 Hausnummern eine eigene Untergemeinde und gehören zur hauptgemeinde Niederdorf (Dolenja Vas).Beide Ortschaften sind zu einer selbstständigen Pfarre und einem Schulsprengel verbunden.

Masern und Masereben liegen in zwei durch einen kleinen Hügel getrennten Talmulden.Sie sind von einem ausgedehnten Fichtenwalde umrandet,so daß in wenigen minuten die schönsten Spaziergänge in der Waldeinsamkeit erreicht werden können.

Mitten in der Ortschaft steht die kleine altertümliche Pfarrkirche,deren modern erbauter Turm in 1845 den alten Dachreiter verdrängte. Knapp hinter der Kirche steht der stattliche,einstöckige Pfarrhof, der vor ungefär 35 Jahren erbaut worden ist. Das ebenerdige Schulgebäude befindet sich hinter der Häuserreihe in einem unfangreichen Obstgarten.

Nebst den öffentlichen Gebäuden ziert die Ortschaft auch ein hochgelegenes Forsthaus des Fürsten Karl Auersperg.Der jetzige Förster hat hier eine Radiostation errichtet und stellte somit den Maserern eine angenehme Verbindung mit der aussenwelt her.Den gleichen Zweck erfüllt im Notfalle auch die neuerrichtete Telephoneleitung.

An der Westseite der Ortschaft Masern schnaupt und dampft eine grosse Brettsäge des Besitzers und Gastwirtes Mathias Tschinkel.Dieses Werk versieht um ein geringes Entgelt auch die Bewohner mit Sägespänen als Streumittel und sonstigen Holzabfällen als Brennmaterial.Für den Lebensmittelbedarf sorgen zwei gut eingerichtete Gemischwarenhandlungen und drei fast mit städtischen Gepräge versehene Gasthäuser,namens Jaklitsch,Tschinkel und Kren.

Die Ortschaft durchrollen von früh morgens bis spät abends zahlreiche Fuhrwerke.Diese kommen teils aus dem fürstlichen Walde,teils von dem Brettsägen Karlshütten,Mathildensruhe und Kaltenbrunn bei Göttenitz.

Das Fuhrwerk besorgen zumeist die Bewohner aus den angrenzendenslowenischen Dörfern,wahrend sich die Einheimischen mit Wald und Strassenarbeiten beschäftigen.

Die Einwohnerzahl der Untergemeinde Masern beträgt 265 Personen.Sie gehören mit Ausnahme einiger Fabriksarbeiter dem Gottscheer Volksstamme an.Es ist ein kraftiger,gesunder,arbeits und sangeslustiger Menschenschlag.Dazu trägt unzweifelhaft der Wohlstand der bauern bei,denn alljärlich fließt ein hübsches Sümmchen geld für das gestockte Holz ins einsame tal.

Die Sterblichkeitzahl ist gering. Es gibt hier alte Leute,die zumeist das 80.,ja selbst das 90.Lebensjahr überschreiten. Den vorzüglichen Gesundheitszustand bewirken wohl die gute Waldluft und das frische,reine Trinkwasser.Letzteres bieten zwei recht ergiebige Quellen mitten in der Ortschaft für Menschen und Tiere. Doch zur Zeit langandauernder Regengüsse und heftiger Wolkenbrüche können die übermäßigen Abflüsse der Quellen recht verhängnisvoll werden.Unterstützt von den sogenannten "Rinschen" wird mitunter das ganze Tal oft tagelang unter Hochwasser gesetzt.Geschieht im Sommer oder im Herbste,so leiden die Feldfrüchte ungemein.Anderseits ist dieses Elementarereignis der Jugend sehr erwünscht,da sie dann frei baden und mit selbstzimmerten Flößenden den breiten See bis Masereben befahren kann.Vor vielen Jahren hat eine derartige Überschwemmung sogar ein Menschenleben gefordert.Ein Knecht der den sogenannten Zehent zur Herrschaft führte,ertrank auf der Straße gegen Rakitnitz samt seinen Pferden.Die Stelle,wo sich das Unglück ereignete,bezeichnet noch heute ein 3.5 Meter hoher Bildstock (Neubild genannt).

Die bisherige Beschreibung der Ortschaft Masern gehört der Gegenwart an.Im Anhange möchte ich nun auch die Vergangenheit kurz besprechen.

Wie die Sage erzählt,war das Maserntal in früheren Zeiten das Bett eines fischreichen Sees.An der Ostseite auf einem Hügel wohnten zwei Brüder,die aber in ständigen Streit und Hader lebten.Durch die gegenseitigen Verwünschungen griff der Himmel bald strafend ein und die beiden Brüder ertranken während eines plötzlich eingetretenen Gewitters beim Fischfang.Gleich darauf sank der Spiegel des Sees.Das abfließende Wasser zog die beiden Leichname dort,wo heute der obere und untere Brunnen seinem Ausfluß hat,in die unterirdische Tiefe.

Die ersten Häuser enstanden,wie überall im Gottscheerlande,an der Dorfquelle. Natürlich weisen die jetzigen Bauten nicht mehr die ursprüngliche Bauart auf,da sie im Laufe der Zeit durch ihre Baufälligkeit und Feuerbrunst durch moderne Bauernhäuser ersetzt werden mussten.

Was die Seelsorge anbetrifft,erzählt die Kirchenchronik,daß der erste Pfarrverweser Anton Wallisch geheissen hat (1767). Die Pfarre verdankt ihre Entstehung dem Umstande,daß die Pfarre Reifnitz zu ausgedehnt war und die Maserer die slowenische Sprache nicht verstanden.Die Kirche wird im Jahre 1771 als sehr armselig geschildert.

Nachdem Masern mitunter längere Zeit ohne einen Geistlichen war,so wurde die Seelsorge zumeist von Göttenitz aus versehen.Eines Pfarrherrn namens Anton Namre,geboren in Altenmarkt bei Laas,wird in der Kirchenchronik besonders Erwähnung getan. es wurde einst in einer stockfinsteren Nacht angeblich zu einem Kranken gerufen. Auserhalb des Dorfes empfingen ihn zwei bis an die Zähne bewaffnete Männer. sie fürten den Priester den Göttenitzer Berg hinan und nach einer längeren Wanderung kamen sie an das Ziel. Um ein grosses Feuer lagerte eine Räuberbande.Der Räuberhauptmann fürte den Priester abseits,wo an einen Baumstamm einer von der Räuberbande gebunden war der sich wider die Disziplin verkündigt hatte.Diesem Manne nahm Pfarrer Namre die Beicht ab. Vor der heimkehr mußte der Priester dem Hauptmanne versprechen,längere Zeit vom Geschehen zu schweigen.Kaum war der Geistliche etliche hundert Schritte von der Bande entfernt, so hörte er einige Schüße knallen.Die Räuber hatten ihren Genossen erschossen.Tatsächlich bewahrte Pfarrer Namre,der später in St.Martin unter dem Grosskahlenberge bei Laibach als Pfarrer und geistlicher Rat starb,lange Zeit strenges stillschweigen. Er zitterte besonders im Alter so,daß er schwer den Löffel zum Munde führen konnte.Jedenfalls war es die Folge jener schrecklichen Nacht.

Vom Jahre 1822-1837 wirkte in Masern als Seelsorger Johann Munini.Unter seiner Seelsorge brach die schreckliche Choleraepidemie aus.In der Zeit vom 11.August 1825 bis 5.Oktober 1836 forderte sie in der kleinen Pfarre von 50 Hausnummern -51 Opfer.Der Friedhof um die Kirche war bald überfüllt.Aus Raummangel und wegen zu rascher Sterblichkeit mussten die Leichen in Maßengräber geborgenwerden.Beim jetzigen Aufgange in den Kirchturm sollen in ein solches Grab acht Leichen bestattet worden sein.In dieser schrecklichen Zeit nahmen die Maserer Zuflucht zum Hl.Rochus und gelobten ,alljährlich an seinem Feste(16.August)in Prozession nach Niederdorf zur Rochuskapelle zu pilgern.Dieses Gelöbnis wird noch heutzutage eingehalten.

Da sich der Friedhof um die Dorfkirche in der Cholerazeit zu klein erwies,so bewarb man sich um den Platz des heutigen Friedhofes auserhalb der Ortschaft an der Göttenitzerstraße.Die Friedhofs Mauer um die Kirche wurde abgetragen und die Grabhügel geebnet.Die obere Erdschichte überführte man auf den neuen Friedhof.Eine gute Spanne unter der Erdoberfläche um die Kirche stößt man noch heute auf Gebeine,da im Lehmboden der Zersetzungsprozeß sehr langsam vor sich geht.

Am 2.August 1882 wurde die Ortschaft Masern von einem schrecklichen Brande heimgesucht.Nachstehend verzeichnete Häüser fielen den verheerenden Flammen zum Opfer:Nr.10,9,8,7,1,40,31,12,13,14,27,28,29,30.Alle Häuser mit Ausnahme von Nr.30wurden wieder aufgebaut.Diesen Bauplatz samt einigen anderen Parzellen kaufte der reiche Bürger aus der Stadt Gottschee,Herr Georg Stampfl,ein gebürtiger Niedertiefenbacher.

Über die Entstehung der Schule in Masern schreibt die Chronik folgendes:In früheren Zeiten unterrichtete die hochw.Geistlichkeit,aber beinahe ausschließlich nur Religion.Nachdem aber die Pfarre lange Zeit ohne Seelsorger war,machte sich das Bedürfnis nach Bildung und Unterricht immer mehr geltend.Es fanden sich im Laufe der Jahre mehrere sogennante Notlehrer ein,die hier nach ihrer Art und Weise unterrichteten.Da aber weder ein entsprechendes Lokal,noch die erforderlichen Lehrmittel vorhanden waren ,so war ein Bestand und gedeihliches fortkommen nicht zu erreichen.

Endlich faßte auf Vermittlung der Ortsgruppe Gottschee der Deutsche Schulverein in Wien den Entschluß ,in Masern ein Schulhaus zu erbauen,um so einen regelmäßigen Schulunterricht zu ermöglichen.Der hohe k.k.Landesschulrat in Laibach unterstützte das Vorhaben,indem er die hiesige Lehrstelle systemisierte.

Mehrere hochherzige Gönner und Schulfreunde arbeiteten an dem gefaßten Plane weiter .Herr Georg Stampfl aus der Stadt Gottschee,dessen Name schon oben erwähnt wurde,schenkte den Bauplatz (Hausnummer 30)für das Schulhaus und einige Äcker,teils für die Anlage eines Schulgartens,teils aber zur Benützung für den jeweiligen Lehrer.Auf diese Weise kam endlich im Jahre 1883 der heiß erlehnte Schulbau zu stande.Nachdem das Schulgebaude am 28.September bei Ankunft des zuerst ernannten Lehrers Johann Posnik noch nicht fertig war,so unterrichtete dieser anfangs im Pfarrhoffe.

Die Kollaudierung und feierliche Eröffnung der Schule fand erst an 25.Oktober 1884 statt.Anwesend waren der Herr Bezirkshauptmann Thomann,Edler von Montalmor,Herr Ing.Karl Malner aus Strug,als Bautechnniker .Herr Dr.Linhart als Kreisphysicus und der gesamte Ausschuß der Ortsgruppe Gottschee des Deutschen Schulvereines.

Am nächsten Tage fand der regelmäßige Unterricht in schönen und praktisch erbauten Schulhause statt.Die Schülerzahl betrug damals 70,während sie gegenwärtig auf 38 herabgesunken ist.Diesen auffallenden Rückgang verursachte der Weltkrieg und die unsinnige,fortschreitende Auswanderung nach Amerika (Kanada).Zur Zeit des Schulhausbaues machten sich nachstehende Ortschulratsmitglieder besonders verdient:Anton Sbaschnik,Johann Tschinkel,Adolf Thuma,Johann Michitsch und Johann Krisch.

Das Schulhaus ist ebenerdig und hat ein sehr geraumiges ,lichtes,trockenes Lehrzimmer,eine praktisch angelegte Lehrerwohnung ,bestehend aus drei Zimmern,Küche,Keller,Speisekammer und ein verglasten Korridor.Der Schulgarten teilts sich in einen Obst,Blumen und Gemüsegarten.Bei der Anlage und Bepflanzung des Schulgartens haben sich besonders die ersten zwei hier wirkenden Lehrkräfte Bosnik und Hutter verewigt .

Für die innere Einrichtung des Schulzimmers spendeten der Deutsche Schulverein in Wien,Fürst Karl Auersperg und der Großkaufmann Johann Stampfl in Prag namhafte Beträge.Zur Errichtung des Schulgartenzaunes trug die Krainische Sparkaße in Laibach ein hundert Gulden bei.Nach Beendigung des Weltkrieges 1918 kam das Schulgebäude samt den dazugehörigen Grundstücken als Besitz des Deutschen Schulvereines unter Sequester.Die Untergemeinde Masern kaufte es sodann am 4.Juni 1920 um den Betrag von 700 Kronen wieder zurück.Während des Weltkrieges und der Sequester war das Schulgebäude arg vernachlässigt worden.Es machten sich drohende Mauersprünge bemerkbar,weswegen von der Behörde eine pölzung angeordnet wurde.Erst in den letzten drei Jahren ist unter Fürsorge des schulfreundlichen Ortsschulratsobmannes Herrn Alois Primosch Nr.32 so manches wieder erneuert worden,was der Bildungsstätte wieder zu Ansehen verhalft.

Seit der Gründung der Schule wirkten hier nachstehende Lehrpersonen:Johann Posnik 1883-1892,Johann Hutter 1892-1906,Johann Schober 1906-1910 (starb an einer Operation im Landesspital in Laibach),Johann Zeitler 1910-1912 (Kriegsopfer),Josef Erker 1912-1914 (verschollen im Weltkriege 17,Oktober 1916),Paula Sigmund 1914-1917,Anna Gradisar 1917-1918,Gabriela Högler 1918,Josefine Erker 1918-1921,Pfarrer Franz Sturm 1921-1922,Helen Arko 1922-1924,Hans Loser vom 1,Februar 1924 bis heute.

Masern besitzt auch fast schon durch 30 Jahre einen stramm organisierten Feuerwehrenverein,der mit Löschgeräten gut ausgerüstet ist.

Als eine böse Folge der schon seit Jahren hier andauernden Auswanderung sind einige alte Familiennamen ganz verschwunden z.B.Anderkuhl,Erker,Grünseich, Gode,Handler,Seemann,Stampfl,Verderber,Melz, und Wittine.

Somit ist für alle diejenigen,die Masern (Masharn)(Grcarice) nur vom Hörensagen kennen,ein ausführlicher Einblick gegeben.Es wäre wünschenswert,daß auch Fremde,die so oft das Gottscheerländchen besuchen,dieses niedliche Waldtal mit seiner Strammen Bevölkerung nicht vergessen würden.

Transcribed from the 1931 Gottscheer Kalender by John B.Gladitsch.

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